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Chemtrails – Verschwörung oder Realität?

„Der gesamte Globus ist betroffen, die weltweite Massenvernichtung nimmt seinen Lauf, das Wetter wird ferngesteuert und kontrolliert als Waffe gegen die Menschheit eingesetzt. Sämtliche Kondensstreifen, die heute am Himmel so zahlreich zu beobachten sind, sind in Wirklichkeit giftige Chemie Streifen aus Aluminium und Barium. Der Krieg um die Weltherrschaft der Staaten hat längst begonnen, – die Verlierer: Die langsam aussterbende Menschheit. Die Anführer dieser Massenvernichtung: Ähm, na SIE!“ Wie bitte, wer? Irgendwie klingt das schon ein wenig nach populärer Verschwörungstheorie oder? Nicht nur, dass sich diese Behauptungen irrwitzig und irgendwie komisch anhören, wirkliche Belege oder Fakten können die wenigsten liefern. Aber was ist mit denjenigen, die sich damit ernsthaft befassen und fernab jeglicher Verschwörungstheorie gute Argumente für die Existenz von Chemtrails liefern?

chemtrails
Chemtrails – gibt es sie wirklich?

Die ewige Diskussion um Chemtrails

Verschwörungstheoretiker leisten schon ganz großes Kino wenn es wieder einmal um das leidige Thema Chemtrails geht. Entgegen so mancher Argumentation liegen wieder ebenso glaubhafte Gegenargumente und am Ende weiß niemand so recht, was er eigentlich glauben soll. Alles nur Verschwörung oder möchte man uns wirklich systematisch vernichten? Und was sagen Forscher fernab der ganzen Verschwörungskette?

Fakt ist, dass jeder seinen Standpunkt als absolut und unwiderlegbar bewiesen haben will und so entstehen nicht nur auf Facebook und in anderen sozialen Netzwerken endlose, emotionale Diskussionen über Chemtrails, Harp und anderen Weltraumgeschichten. Fakten und Beweise wollen auf beiden Seiten vorliegen und auch wir möchten einen Überblick über das Pro und Contra liefern, ohne uns auf eine Seite stellen zu wollen. Allerdings ist es ein allgemeines Problem unserer Gesellschaft, alles direkt in die Schublade der Verschwörung zu stecken, nur weil es die Medien uns so vormachen. Einen eigenen Standpunkt zu entwickeln wäre angebrachter.

Warum sollte es Chemtrails überhaupt geben?

Jeder der zum ersten Mal von Chemtrails hört, wird sich die Frage stellen, warum sollte man Chemtrails einsetzen? Und auf genau diese Frage, gibt es auch erwartungsgemäß verschiedene Antworten.

Die einen glauben an eine systematische Vergiftung der Bevölkerung, andere glauben, dass man die Menschheit von der Sonne abschirmen möchte. Als dritten Standpunkt seit noch das bekannte Geo-Engineering zu nennen, welches das allgemeine Klima dieser Welt verändern soll. Somit soll eine vollumfängliche Kontrolle über das Wetter erreicht werden. Künstliche Wolken? Eigen produzierte Unwetter? Plötzlicher klarer Sonnenhimmel? Klingt schon wieder sehr verschwörerisch, – aber sehen wir weiter.

Letztere Theorie ist nämlich gar nicht so sehr an den Haaren herbeigezogen, wie es die ersten Zwei Argumentationen sind. Dass man die Menschheit ausrotten und systematisch ermorden möchte oder die Bevölkerung absichtlich von der Sonne fernhalten will – diese Theorien sind mit noch keinem Blatt Papier belegt worden. Für das Geoengineering gibt es allerdings bereits entsprechende Patente und ausgeklügelte Pläne. Möglich ist auch, dass es diverse Untersuchungen, Versuche und wissenschaftliche Experimente in diesem Bereich gibt oder gegeben hat. Sehr wahrscheinlich ist es auch, dass man der Öffentlichkeit davon erst einmal nichts erzählen möchte. Ob diese belegten Fakten jedoch ausreichen, um aus Klimaexperimenten wirkliche Chemtrailbestätigungen zu machen, sei fraglich. Fakt ist aber, dass die existierenden Pläne des Geoengineering sehr schwierig durchzusetzen wären, eben anders als es bei der Gentechnik der Fall war. Heimlich durchgeführte Experimente könnten ausversehen und ungewollt an einen Teil der Öffentlichkeit gelangt sein, worauf man schlicht mit dem Verschwörungshammer reagierte. Nun, es gibt zahlreiche Hinweise darauf, dass man das Wetter gerne manipulieren und steuern möchte.

Theorien, Vermutungen und belegte Fakten

Chemtrails stehen nach wie vor in der Diskussion, wirklich bewiesen ist gar nichts und es wird vermutlich noch eine Weile dauern, ehe man zu einem einheitlichen Ergebnis gelangt. Alles was wir tun können, ist Thesen und Gegenthesen aufzustellen und diese miteinander zu vergleichen. Vermutlich gibt es zu jeder These oder Gegenthese weitere Thesen, und somit sei an dieser Stelle gesagt, dass wir hieraus keinen mehrstündigen Studiengang machen können, um allen Fakten und Vermutungen auf den Grund zu gehen. Und was sagen überhaupt Behörden und Politiker zu den ständigen Vorwürfen? Lest dazu gerne hier mehr: Metalle am Himmel.

Chemtrails
Wirklich nur Kondensstreifen oder giftige Chemie?

These Nummer 1 – Kondensstreifen

„Kondensstreifen lösen sich wenige Meter nach dem Flugzeug auf, Flugzeuge die Chemtrails produzieren haben diesen natürlichen Effekt nicht, womit man Chemtrails und normale Flüge deutlich voneinander unterscheiden kann!“

Leider kann man es sich nicht so leicht wie in dieser Aussage machen. Inwieweit sich Kondensstreifen nach dem Flugzeug auflösen oder eben nicht, hängt von der jeweilig dort herrschenden Temperatur ab. Kondensstreifen sind kleine Eiskristalle und sie entstehen, wenn die heiße Luft auf kalte Lufttemperaturen stößt. Je nach Beschaffenheit der Atmosphäre und der Luftfeuchtigkeit, bleiben die Kondensstreifen unterschiedlich lange erhalten. Ist die Luft beispielsweise übersättigt, so können sich die Kristalle um die heiße Luft weiter ausbreiten und damit sogar mehrere Stunden lang sichtbar bleiben. Dann ist die Rede von künstlichen Citrus-Wolken, welche als feiner Schleier zu erkennen ist. Kein wirklich gutes Argument für die Existenz von Chemtrails.

These Nummer 2 – Häufigkeit der Streifen

„In den letzten Jahren nimmt die Anzahl der vermeintlichen Kondensstreifen auffällig zu, was ebenfalls nur an den Chemtrails liegen kann!“

Auch der Flugverkehr nimmt vermehrt und kontinuierlich zu. Somit sind die Streifen vielleicht viel auffälliger geworden. Der Flugverkehrt hat sich innerhalb der letzten 20 Jahre sogar verdreifacht. Stabile Kondensstreifen gibt es bereits, seit dem es den Flugverkehr gibt. Aus den 1940er Jahren existieren sogar Fotografien, welche dies belegen können.

Chemtrails
Gab es solche Streifen früher auch schon?

These Nummer 3 – direkte Flugvergleiche

„Oft sind zwei Flugzeuge zu beobachten, die direkt nebeneinander fliegen. Dabei sind die Chemtrail-Triebwerke des einen Flugzeuges an, die des anderen Flugzeuges aber nicht. Außerdem verhalten sich Kondensstreifen und Chemtrailstreifen dann komplett unterschiedlich.“

Vom Boden aus kann man nur sehr schwer die Höhenunterschiede der nebeneinander fliegenden Flugzeuge erkennen. Je nach Luftschicht verändern sich wie eben bereits erwähnt die Luft und die Temperatur. Auch dann, wenn die Höhenunterschiede nur wenige Meter betragen. Das sich dann die Kondensstreifen unterschiedlich verhalten, dürfte an dieser Stelle auch klar sein. Ebenso sei damit zu erklären, warum vermeintliche Inflagranti-Erwischt Aufnahmen (Chemtrail-Triebwerk an und aus) nicht allzu viel Aufmerksamkeit bekommen, wie erhofft.

These Nummer 4 – Gitternetze

„Eindeutig werden Chemtrails in Gitternetzen versprüht, welche schließlich den kompletten Himmel bedecken. Sogar Satellitenbilder belegen dies. So fliegen keine normalen Flugzeuge mit Passagieren im Gepäck!“

Flugzeuge fliegen bekanntlich in einem zeitlich gleichmäßigen Intervall. In den Lüften herrschen oft Windbedingungen von über 100 km/h. Verwehen diese Kondensstreifen dann seitlich, so entstehen Gitternetze, wie eben diese Animation verdeutlichen kann: Gitternetz Animation.

These Nummer 5 – HR 2977

„Man hat den Einsatz von Chemtrails doch schon öffentlich zugegeben. Der Gesetzesvorschlag HR 2977 ist öffentlich einsehbar, die Zugabe wurde später herausgestrichen. Das ist allseits bekannt“

Die These ist falsch, denn HR 2977 wurde nicht von der US Regierung geschrieben, auch nicht von Dennnis Kucinich, dessen Name in diesem Zusammenhang gerne verwendet wird. Der Entwurf schlug lediglich vor, dass man Waffensysteme auf Weltraumbasis nutzen könnte und diese mit Forschungen verbinden könnte. Man erwähnte die Chemtrails ein einziges Mal und erklärte, was diese Waffensysteme tun könnten. Der Sachverhalt wird von Chemtrail-Verschwörern ziemlich falsch dargestellt. Und dennoch stimmt es, dass die Regierungen regelmäßig und offen über Geo-Engineering nachdenken. Für künstliche Wolkenbildung gibt es Pläne und Patente, die jederzeit eingesehen werden können. Leider auch Fakt.

Lesen Sie hier gerne weiter:  Was ist Geoengineering eigentlich?

These Nummer 6 – Nachweisbare Verseuchungen

„Boden- und Luftproben bestätigen eine flächendeckende Verseuchung durch Aluminium und Barium, was nur an den Chemtrails liegen kann. Giftige Chemie würde auf anderem Wege nicht dorthin gelangen.“

Diese These wird von diversen Fachleuten als Falsch belegt, denn die Werte stimmen so gar nicht miteinander überein. Man verglich in dem Film What in the World are they Spraying? die Aluminiumkonzentrate der Erde und verglich die Werte miteinander. Man konnte die unterschiedlich ausfallenden Werte nicht mit Chemtrails in Verbindung bringen, geschweige denn dies nachweisen. Bergbau und Landwirtschaften könnten eben gleiche Ursachen darstellen.

These Nummer 7 – Künstliche Wettermanipulation existiert

„In China manipuliert man das Wetter bereits regelmäßig, damit es bei öffentlichen Veranstaltungen nicht regnet. Außerdem erforscht man ausgiebig, inwieweit die Wolken das Weltklima beeinflussen und wie man dieses damit verändern könnte.“

Diese Thesen stimmen. Der dänische Forscher Henrik Svensmark glaubt, dass die Sonnenaktivität und die ausgehenden Strahlungen die Wolkenbildung beeinflussen.

Sehen so künstliche Wolken aus oder handelt es sich um ein natürliches Phänomen?

Schlusswort – Gibt es nun Chemtrails oder nicht?

Man kann ihre Existenz  nicht endgültig beweisen, ihre Nicht-Existenz aber auch nicht und so bleibt es uns wohl noch lange ein Buch mit sieben Siegeln, worüber die Menschheit diskutieren wird. Fakten und Fiktionen gibt es unzählige und jede von ihnen könnte auch anders erklärt werden. Die Organisation Sauberer Himmel liefern sehr interessante Gesichtspunkte.

Es ist schon wirklich seltsam, was sich so manchmal an unserem Himmel zeigt. Und entweder können wir es live beobachten oder aber wir können uns der zahlreichen Fotos aus dem Netz bereichern. Doch auch hier muss gesagt werden, dass in Zeiten der Technik einiges möglich ist, um zu manipulieren und irrezuführen. Wir zweifeln nicht die Existenz der Chemtrails an, ebenso, wie wir nicht alles als Spinnerei abtun können. Und inwiefern sich das Geoengineering mit den Chemtrail-Forschungen vergleichen lässt, steht noch in den Sternen.

Es bleiben jedoch auch uns ein paar wesentliche Fragen ungeklärt:

Ein Beispiel: Warum darf das Umweltbundesamt den Gehalt an Aluminium, Barium und Strontium in der Luft nicht messen? Zur Information: Man gibt deutschen Behörden von europäischer und völkerrechtlicher Ebene vor, was gemessen werden soll und was nicht. Jetzt könnte der Gedanke von Verschleierungsversuchen aufkommen, nicht? Die Antwort des Umweltbundesamtes.

Oder: Woher kommt das Massensterben der Bienen innerhalb der letzten Jahre, wenn es nichts mit der Luft zu tun hat?

Aber auch: Würde sich eine Luftverschmutzung durch Aluminium und Barium nicht relativ einfach belegen, wenn diese denn vorhanden wäre? Die Antwort: Eigentlich schon, immerhin würde es nur rund 500 Euro kosten, selbst Messungen durchzuführen und damit die endgültigen Beweise zu liefern. Aber wer sagt schon, dass man dies nicht schon längst getan hat und man die Ergebnisse einfach nur verschleiert. Hier noch ein interessanter Umsetzungsplan für mögliche Messungen.

Über Jenny Dirschl

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Ein Kommentar

  1. Man könnte ja einfach mal Proben aus den Streifen holen, um zu wissen, ob da was Schlimmes drin ist. Dann hätte man eine Basis.

    Genau das wird bei den Chemtrail-Gläubigen (im Unterschied zu anderen Leuten) aber immer unterdrückt. Dafür wird dann spekuliert, werden ellenlange Texte geschrieben, obwohl man genau die Basis dafür meidet.

    So kann man sich natürlich gut selbst beschäftigen, aber so zeigt man auch, wie unwissenschaftlich man arbeitet.

    Fakten? Brauchen wir nicht …

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