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ʻOumuamua – ein interstellarer Weihnachtsbesucher

Oumuamua

ʻOumuamua – ein interstellarer Weihnachtsbesucher

Gerade so kurz vor Weihnachten organisieren viele Menschen schon alles für den Besuch der lieben Verwandten, die sich zuverlässig jedes Jahr im Dezember bei ihnen einquartieren. Da fallen viele Aufgaben an: Gästezimmer herrichten, Gänsebraten kaufen, das Haus dekorieren, und so weiter und so fort.
Aber wie bereitet man sich eigentlich auf einen vorweihnachtlichen Besuch eines interstellaren Gastes vor? Diese Frage mussten sich die Astronomen des Pan-STARRS1 Teleskop auf Hawaii am 19. Oktober diesen Jahres stellen, als sie ein kurioses Objekt erspähten, das sich mit einer rasanten Geschwindigkeit durch unser Sonnensystem bewegt.

Der Besucher mit dem exotischen Namen ʻOumuamua hat einen wirklich weiten Weg auf sich genommen, um unserer Erde extra zur Weihnachtszeit nahe zu sein – er stammt nämlich aus einem anderen Planetensystem! Wie lange ʻOumuamua unterwegs gewesen sein muss, kann man erahnen, wenn man sich vor Augen führt, dass selbst der uns am nächsten gelegene Stern Alpha Centauri schon über 4 Lichtjahre entfernt ist. Das ist schon ein Unterschied zum Großonkel, der für Heilig Abend eine schlappe 200 km – Autofahrt auf sich nimmt!

Eine künstlerische Darstellung des interstellaren Besuchers Oumuamua – Credit: M. Kornmesser/ESO

Ein solcher interstellarer Gast hat natürlich auch einen immensen Wert für die Wissenschaft. Immerhin verrät er uns einiges über die Objekte und vorhandenen Materialien in anderen Sonnensystem. Solche Erkenntnisse wären mit Sonden kaum zu erlangen – die am weitesten von der Erde entfernte Sonde ist Voyager 2 und befindet sich gerade hinter Pluto. Oder anders gesagt: Sie wird erst in knapp 295.000 Jahren ein anderes Sonnensystem erreichen.
ʻOumuamua ist für die Astronomen dieser Welt also ein tolles Weihnachtsgeschenk. Direkt ins Auge gesprungen ist den Wissenschaftlern seine eigentümliche Form: Er ist ganze 400 Meter lang, erreicht aber nur eine Breite von einigen Dutzend Metern – die Forscher des Pan-STARRS1 Teleskops gaben ihm deswegen bereits den liebevollen Spitznamen „Space Cigar“.
ʻOumuamua besitzt außerdem eine weihnachtliche rote Färbung. Man geht davon aus, dass dieser Farbton durch die hoch-energetische kosmische Strahlung entstanden ist, der ʻOumuamua für Millionen Jahre ausgesetzt war.

ʻOumuamua ist das erste interstellare Objekt in unserem Sonnensystem, das von der Menschheit wahrgenommen und untersucht wurde. Aber bedeutet das, dass sich vorher noch nie ein Besucher aus einem anderen Planetensystem zu uns verirrt hat? Das erscheint sehr unwahrscheinlich. Wissenschaftler gehen davon aus, dass ungefähr ein Mal pro Jahr ein Objekt aus den tiefen des Weltraums durch das innere Sonnensystem fliegt – bislang ist es nur nie gelungen, diese Objekte wahrzunehmen. Dies könnte sich mit der Sichtung von ʻOumuamua ändern.

ʻOumuamua ist hier als kleiner Punkt in der Mitte des Bildes zu sehen. Die umgebenden Striche sind Sterne, die verzerrt wurden, als das Teleskop die Bewegung des Asteroids nachverfolgte.
Credit: K. Meech et al./ESO

Wir dürfen uns also in den kommenden Jahren auf viele weitere Besucher freuen, die mehrere Lichtjahre gereist sind, um zu uns zu gelangen. Vielleicht gibt es Ende 2018 ja die nächste interstellare Weihnachtsüberraschung?

Über Tim Julian Ruster

Tim Ruster ist Astro-Cartoonist und Planetariumsführer.

Er wurde 1991 in Köln geboren, wo er auch heute noch lebt und viel Zeit mit dem Zeichnen neuer Astro-Comics verbringt. Seit vielen Jahren arbeitet er ehrenamtlich im Kölner Planetarium und erklärte dort schon unzähligen Besuchern den Sternhimmel und die Geheimnisse des Weltalls.
Durch die vielen guten Fragen, die bei diesen Führungen vor allem von Kindern gestellt werden, kam er im Jahre 2015 auf die Idee, den Weltraum durch Zeichnungen zu erklären : Astro-Comics war geboren!

Astro-Comics entwickelte sich zu einem richtigen Projekt und wurde schnell bekannter. Obwohl Tim Ruster 2016 sein juristisches Staatsexamen abgelegt hat, widmete er Astro-Comics jede freie Sekunde.
Heute haben die astronomischen Cartoons schon tausende Fans bei Facebook, Instagram und Twitter und haben vielen Menschen den Weltraum etwas näher gebracht.

Tim Ruster veröffentlicht die Astro-Comics nicht nur auf www.astro-comics.de und in den sozialen Netzwerken, sondern auch in mehreren Online- und Printformaten.

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