Home / Astronomie / Polsprung: Abschwächung des Erdmagnetfeldes kein deutliches Anzeichen

Polsprung: Abschwächung des Erdmagnetfeldes kein deutliches Anzeichen

Kündigt die derzeitige Abschwächung des Erdmagnetfeldes doch keinen Polsprung an? Historische Relikte haben jetzt den Beweis geliefert, dass vor ca. 3.000 Jahren die Magnetstärke noch schneller absank und es trotzdem nicht zu einem Polsprung kam. Bisher gingen die Forscher davon aus, dass die Abschwächung ein klares Anzeichen für einen bevorstehenden Polsprung sein könnte. Zwar nimmt die Intensität des Erdmagnetfeldes seit 200 Jahren nachweisbar ab, liegt aber noch immer deutlich über dem historischen Durchschnitt. Von einem Polsprung sind wir daher noch weit entfernt.

Polsprung
Magnetfeld des Planeten-Erden.

Das Erdmagnetfeld schützt uns vor den hochenergetischen Teilen des Sonnenwindes und der kosmischen Strahlung. Immer wieder wird in verschiedenen Medien über das Erdmagnetfeld berichtet. Häufig steht dabei der überfällige Polsprung im Mittelpunkt mit dem versucht wird Angst zu erzeugen. Die eigentliche Funktion des Erdmagnetfeldes tritt hier häufig in den Hintergrund: Es fungiert als Schutzschild gegen die kosmische Strahlung. Eine Schwächung würde bedeuten, dass die Erde und seine Bewohner diesen hochenergetischen Teilen aus dem All ausgeliefert wäre, denn diese wirkt ähnlich wie Röntgenstrahlung in hohen Dosen: es schädigt die Zellen. Das Erdmagnetfeld ist also die Bedingung dafür, dass auf einem Planeten Leben entstehen kann.

Polsprung längst überfällig – oder etwa doch nicht?

Tatsächlich gab es in der Erdgeschichte schon mehrere Umkehrungen des geomagnetischen Feldes in unterschiedlichen Intervallen. Es gab Perioden von 40 Millionen Jahren, indem keine Polumkehr stattfand, dann gab es wiederum gleich 10 innerhalb von nur einer Million Jahren. Der Durchschnitt liegt bei zwei Umpolungen alle paar hunderttausend Jahre. Die Letzte Polumkehr ereignete sich von knapp 780.000 Jahren, somit wäre die nächste Umpolung also statistisch überfällig.

Ein deutliches Anzeichen für eine bevorstehende Umkehr ist ein deutlich unter den historischen Mittelwert abgeschwächtes Feld. Zwar nimmt die Intensität des Erdmagnetfeldes immer weiter ab, liegt aber noch immer deutlich über dem historischen Durchschnitt.

Tongefäß gibt Aufschluss über das Erdmagnetfeld vor 3.000 Jahren

Polsprung
© Oded Lipschits, Tel Aviv University
(Ausschnitt)

Neuste Untersuchungen deuten darauf hin, dass uns ein Polsprung vorerst erspart bleiben könnte. Ein israelisches Forscherteam um Erez Ben-Yosef von der Universität Tel Aviv hat nun anhand von 67 antiken Tonkrügen rekonstruiert, welche Stärke das Erdmagnetfeld vor knapp 3.000 Jahren vor Ort hatte. Tatsächlich konnte nachgewiesen werden, dass das Erdmagnetfeld sehr stark geschwankt hat. Im 8. Jahrhundert v. Chr. habe das Magnetfeld sogar innerhalb von 30 Jahren rund 30 Prozent seiner Stärke verloren.

„Offensichtlich ist dies kein einzigartiges Phänomen – das Feld ist in den letzten Jahrtausenden schon mehrfach stärker und schwächer geworden.“ betonte Ben-Yosef.

Wann jedoch die Polumkehr genau zu erwarten ist, können auch die Forscher nicht sagen. Die Untersuchungen in Tel Aviv zeigen, dass die Intensität des geomagnetischen Feldes stark abfallen kann und es dennoch zu keinem Polsprung kommt. Die Werte könnten in den nächsten 1000 Jahren weiter abfallen oder sogar wieder anstiegen – dies sind geodynamische Prozesse, die niemand so genau vorhersagen kann.

 

(Proceedings of the National Academy of Sciences, 2017; doi: 10.1073/pnas.1615797114)

Über Dominik Zgrzendek

Mein Name ist Dominik Zgrzendek, ich bin 29 Jahre alt und Gründer des Weblogs „Sonnen-Sturm.info“. Die Astronomie sowie die Beobachtung der Sonne ist ein langjähriges Hobby von mir. Mit diesem Weblog möchte ich euch an meinem Hobby teilhaben lassen und hoffe so, einige für die Astronomie begeistern zu können!

Dies könnte Sie auch Interessieren

blitzsolar

Beeinflusst die Sonne die Blitzintensität in Europa?

Sonnenaktivität und Weltraumwetter beeinflussen das irdische Wetter Glaubt man einer 2014 veröffentlichten Studie Britischer Forscher, so …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.