M-Flares und Polarlicht, 9. bis 11. Oktober 2026
Weitere M-Flares und Polarlichter bis Sonntag
Die Sonne bleibt aktiv: Die Sonnenfleckenregion 4549 hat mehrere stärkere Eruptionen ausgelöst. Für den 9. Oktober erwartet NOAA durch einen koronalen Massenauswurf einen geomagnetischen Sturm der Stärke G1 bis G2. Weitere M-Klasse-Flares sind in den kommenden Tagen möglich.
Wie gut sind die Polarlichtchancen in Deutschland?
Das hängt davon ab, wann das Sonnenplasma die Erde erreicht, wie sich das Magnetfeld des Sonnenwinds ausrichtet und ob der Himmel klar bleibt. Im Norden Deutschlands könnte sich eine Beobachtungsmöglichkeit ergeben. Für die Mitte und den Süden sind die Chancen geringer.
Die Prognosen können sich kurzfristig ändern. Deshalb sollten die aktuellen Sonnenwinddaten, die Polarlichtvorhersage und die örtliche Bewölkung vor einem Beobachtungsversuch erneut geprüft werden.
Stand: 9. Oktober 2026, 07:30 Uhr MESZ. Alle Zeitfenster und Prognosewerte beziehen sich auf den jeweils angegebenen Datenstand.
Die Lage in Kürze
- Aktivität: erhöht, eine komplexe Region trägt die Flares
- Größter Flare: M6.7 bis M6.8, 8. Oktober, 17:48 MESZ (15:48 UTC), R2
- KMA-Status: Wolke vom 6. Oktober heute erwartet, zwei weitere noch unsicher
- Kp jetzt: 2 bis 3, ruhig
- Polarlicht Deutschland heute Nacht: Norden möglich, Mitte und Süden gering bis unwahrscheinlich
Aktuelle Sonnenaktivität
Auf der sichtbaren Sonnenscheibe dominiert die aktive Region 4549. Das sind Sonnenfleckengruppen, in denen das Magnetfeld so verdrillt ist, dass es Energie als Flare abgeben kann. Das Weltraumwetterprognosezentrum NOAA führt 4549 am 9. Oktober um 02:30 MESZ (00:30 UTC) bei N10W29, Klasse Eki und magnetisch beta-gamma-delta. SpaceWeatherLive hatte sie am 8. Oktober bei N10W20, mit 29 Flecken und einer Fläche von 260 Millionsteln der Sonnenscheibe, McIntosh-Klasse DKI. Das SIDC nannte am 8. Oktober um 14:31 MESZ (12:31 UTC) dieselbe Gruppe beta-gamma-delta, damals bei N11W18. Die Lage wandert mit der Rotation nach Westen. Die Klasse bleibt die komplexeste auf der Scheibe.
Daneben stehen kleinere Gruppen. 4545 liegt nach NOAA bei N17W33, Klasse Dso/beta, und baut ab. 4548 bei S13W01 ist einfach, Hsx/alpha und ruhig. 4547 steht nahe am Westrand, AXX, und zerfällt. 4550 ist klein, BXO. Das SIDC sah 4550 schon am Morgen des 8. Oktober im Zerfall. Auf dem Intensigramm von 06:30 MESZ ist sie noch markiert.
Der größte Flare der drei Tage kam am 8. Oktober. Stärke: M6.7, optisch 2b, Maximum 17:48 MESZ (15:48 UTC), Beginn 17:29, Ende 17:58 MESZ, Ort N12W20, Region 4549. Das ist ein R2-Blackout und bedeutet: Kurzwelle auf der Tagseite für einige zehn Minuten eingeschränkt. Europa lag um diese Zeit noch im Hellen.
Davor, am 6. Oktober, lieferte 4549 eine lange M1.4 um 08:09 MESZ (06:09 UTC) und eine M1.9 um 10:05 MESZ (08:05 UTC). Am 7. Oktober folgte eine lange C7.9, Peak 15:17 MESZ (13:17 UTC). Kleinere C-Flares am Abend des 8. Oktober blieben ohne eigene Sturmmeldung.
Der 10,7-cm-Fluss, ein Maß für die Radiostrahlung der ganzen Scheibe, liegt je nach Produkt bei 114 bis 119 sfu. Die Sonnenfleckenrelativzahl liegt bei 78 bzw. geschätzt 72 bis 73 (SIDC, 7. und 8. Oktober). Ein koronales Loch negativer Polarität steht nach SIDC und dem Weltraumwetterprognosezentrum nahe dem Zentralmeridian. Sein schneller Sonnenwind soll um den 10. Oktober ankommen.
Einordnung: Die Sonnenaktivität war erhöht bis kurzzeitig hoch, weil eine M-Klasse über M5 ging. Für die nächsten Tage bleibt M-Klasse wahrscheinlich, 55 Prozent für M-Klasse bis zum 11. Oktober, 10 Prozent für X-Klasse. Träger ist weiter die Fleckenregion 4549.
Aktuelles Weltraumwetter
Ein Flare ist das Licht. Die koronale Massenauswurf ist die Plasmawolke, die Stunden bis Tage später ankommen kann. Ob sie andockt, entscheidet u.a. der Bz, die Südkomponente des Sonnenwind-Magnetfelds. Südlich heißt: das irdische Feld öffnet sich leichter für Polarlichter.
Der Sonnenwind ist noch Hintergrund. Das Weltraumwetterprognosezentrum NOAA nennt um 07:07 MESZ (05:07 UTC) etwa 349 km/s, Bt 6 nT, Bz −5 nT. , Dichte 5,9 Protonen pro Kubikzentimeter, Bt 4,6 nT, Bz −4,4 nT süd. Das SIDC sah bis zum 8. Oktober 344 bis 396 km/s und Bz bis −4,8 nT. Das Met Office meldet 340 bis 390 km/s. Alles noch langsam und das Feld ist eher schwach, Bz nur leicht süd.
Drei Wolken stehen in der Diskussion. Die erste gehört zur M1.4 vom 6. Oktober, Start gegen 08:10 MESZ (06:10 UTC), mit Type-II-Radio bei 947 km/s. NOAA hat dafür am 6. Oktober um 18:33 MESZ (16:33 UTC) eine G2-Watch für den 9. Oktober gesetzt. Einige Quellen sprechen von einem schwachen Full-Halo. Die zweite ist die C7.9 vom 7. Oktober: LASCO/C2 ab 16:24 MESZ (14:24 UTC), SIDC-Tempo etwa 350 km/s, eher ein Streifschuss am 11. Oktober. Die dritte gehört zur M6.7. Sagamore Hill meldet Type II mit 4125 km/s, NOAA-Forecaster halten nach erster Sichtung eher 900 km/s für plausibel.
Die geomagnetische Lage der letzten Tage war ruhig. GFZ-Nowcast: am 7. und 8. Oktober Kp meist 0 bis 3, am 5. Oktober ein G1 mit Kp 5. NOAA: größter Kp der 24 Stunden vor 02:30 MESZ (00:30 UTC) war 2. Protonen liegen unter der S-Skala. Die Chance auf einen Protonensturm der Kategorie S1 bis zum 11. Oktober beträgt 10 Prozent.
Das Weltraumwetterprognosezentrum erwartet die erste Wolke am 9. Oktober und erwartet einen geomagnetischen Sturm der Kategorie G1 bis G2. Die 3-Stunden-Werte steigen erst am Nachmittag: 14–17 MESZ Kp 4,67 (G1), 17–20 MESZ Kp 5,00 (G1), 20–23 MESZ Kp 6,00 (G2), 23–02 MESZ Kp 5,67 (G2). Das Met Office, Stand 02:11 MESZ (00:11 GMT), sieht drei Ankünfte am 9., 10. und 11. Oktober, eine Chance auf G2 und eine leichte Chance auf G3. NOAA hält G2 am Freitagabend für den Leitpfad, das Met Office lässt ein späteres und ein etwas stärkeres Fenster zu. Typische Unsicherheit: plus/minus 6 bis 12 Stunden.
Polarlicht-Chancen für Deutschland
Polarlicht in Deutschland hängt nicht nur am planetaren Kp. Es braucht südliches Bz, eine dunkle Nordrichtung und eine Wolkenlücke. Grobe Schwelle: Küste und Norden eher ab Kp 6, Mitte ab Kp 7, Süden erst bei Kp 8 oder mehr. G2 reicht nach NOAA-Vorhersage bis etwa 55 Grad geomagnetischer Breite. Das ist für uns eher Grenzbereich.
Heute Nacht, 9. auf 10. Oktober, liegt das NOAA-Fenster günstig. 20 bis 23 MESZ Kp 6, danach bis 02 MESZ noch Kp 5,7, nach 02 MESZ nur noch Kp 4. Der Mond stört nicht: abnehmende Sichel, etwa 1 bis 2 Prozent beleuchtet, Neumond am 10. Oktober um 17:50 MESZ. Dunkel genug ist es. Der DWD sieht aber ab Freitagnachmittag Schauer und Gewitter von Ostfriesland bis Schleswig-Holstein, in der Nacht zum Samstag ein erneutes Aufleben, dazu Wind im Norden und in der Mitte. Genau dort, wo Polarlicht am ehesten auftaucht, ist der Himmel am unruhigsten.
Empfehlung für heute: nur Norden und Küste, Nordhorizont, dunkel, frei von Umgebungslicht. Ab 20 MESZ prüfen, nicht vorher. Eine Kamera mit langer Belichtung kann einen Bogen zeigen, wenn Bz südlich bleibt. Mit dem Auge ist es eher knapp. Mitte und Süden lohnen den Ausflug nicht, es sei denn, der Kp springt auf 7. Das ist die leichte G3-Chance des Met Office.
In der Nacht 10. auf 11. Oktober sieht NOAA den Abend ruhig, Kp 2,3 bis 2,7. Erst gegen 05 bis 08 MESZ steht Kp 5 (G1). Das Met Office gibt dem Streifschuss vom 7. Oktober eine G1-Chance und eine leichte G2-Chance. Norden: gering, nur in der zweiten Nachthälfte möglich. Mitte und Süden: gering. Hinderungsgrund sind die Uhrzeit und weiter unbeständige Küstenwolken.
In der Nacht 11. auf 12. Oktober endet die NOAA-Tabelle am Sonntagabend bei Kp 2 bis 2,7. Die Wolke der M6.7 kann nach Met Office an diesem Tag G1 bis G2 bringen, mit leichter G3-Chance. Die Zeit ist unsicher, die Analyse noch unfertig.
| Nacht | Kp im Fenster | G-Stufe | Nord | Mitte | Süd | Hinderungsgrund |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 9./10. | 6,0 dann 5,7 | G2 | möglich | gering | gering | Küstenwolken, Ankunft ±6–12 h |
| 10./11. | 2–3, früh 5 | bis G1 | gering | gering | gering | Sturmfenster erst zum Morgen |
| 11./12. | 2–3, CME offen | unsicher | gering | gering | gering | M6.7-Wolke nicht fertig analysiert |
Schau nach Norden, nicht ins Zenit. Ein freier Strand oder ein Feld ohne Ortlicht ist mehr wert als ein höherer Kp hinter Wolken. Prüfe gegen 20 MESZ den Sonnenwind: Geschwindigkeit über dem Hintergrund und Bz mehrere nT süd, dann lohnt der Norden. Bleibt Bz nördlich, bleibt es „dunkel“.
Die Sonne bleibt weiter unruhig, weil 4549 noch komplex ist. Weitere M-Flares sind wahrscheinlich, ein X-Flare nur eine 10-Prozent-Sache. Die Wolke vom Dienstag ist der einzige terminierte Kandidat, und auch der kann Stunden danebenliegen. Samstag und Sonntag hängen an zwei schwächeren oder noch offenen CMEs plus einem koronalen Loch. Nichts davon ist ein Versprechen für einen Bogen über der Mitte. Wer im Norden eine Lücke im Wolkenfeld hat, schaut heute Abend einmal nach Norden. Wer sie nicht hat, wartet auf das nächste Produkt.
Quellen
Abruf 9. Oktober 2026, etwa 05:20–05:30 UTC.
- NOAA 3-Day Forecast, ausgegeben 9.10. 00:30 UTC
- NOAA Discussion
- NOAA Alerts
- G2-Watch vom 6. Oktober
- NOAA-Startseite, Seitenzeit 9.10. 05:07 UTC
- SpaceWeatherLive
- Halo-CME-News, SpaceWeatherLive
- SIDC-URsiGram, 8.10. 12:31 UTC
- SolarHam
- Met Office Space Weather, 9.10. 00:11 GMT
- GFZ-Kp-Nowcast
- DWD Warnlagebericht, 9.10. 05:00 MESZ, und Wochenvorhersage Wettergefahren
- Mond: Neumond 10.10. 17:50 MESZ, Beleuchtung am 9.10. etwa 1 Prozent