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Könnte man Pluto in die Luft sprengen?

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Könnte man Pluto in die Luft sprengen?

Seit vielen Jahren arbeite ich als Museumsführer im Kölner Planetarium. Auch wenn ich schon Führungen für jede erdenkliche Altersgruppe dort gehalten habe, machen mir die Kinderführungen am meisten Spaß. Das liegt vor allem an den verrückten Fragen, die die Kleinen mir regelmäßig stellen. Oftmals wirken Fragen wie „Gibt es Planeten aus Schokolade“ oder „Gibt es in der Milchstraße Alien-WiFi?“ anfangs völlig schräg, doch wenn man sich mit der Antwort beschäftigt, merkt man meist, dass man selber noch etwas dazu lernen kann!

Ist der Ruf erst ruiniert…

Eine der Fragen, die mir erstaunlicherweise relativ häufig gestellt wird, ist, ob man Pluto in die Luft sprengen könne. Der Arme! Nachdem er 2006 bereits aus der Riege der Planeten entfernt wurde und zum Zwergplaneten degradiert wurde, will die neue Generation ihn also nun komplett zerstören. Irgendwie ist das aber auch nur der konsequente nächste Schritt, oder?
Nun ist es allerdings so, dass es gar nicht so einfach ist, ein Objekt wie Pluto in die Luft zu sprengen. Obwohl man sich unter Zwergplanet einen eher kleinen Himmelskörper vorstellt, besitzt Pluto immer noch einen Durchmesservon 2.337 km! Das übersteigt alles, was die Menschheit jemals gesprengt hat, bei weitem. Gibt es also überhaupt eine Bombe, die für ein solches Unterfangen in Frage käme? Die stärkste Bombe aller Zeiten ist wohl die sowjetische Zar-Bombe, die zum Glück nie in einem realen Konflikt eingesetzt wurde und ihre 58 Megatonnen nur bei einem Test auf der Polarinsel Nowaja Semlja unter Beweis stellen konnte. 58 Megatonnen! Zum Vergleich: Die Hiroshima-Bombe erreichtenur 13 Kilotonnen.

Ein Nachbau der Zar-Bombe

Sprengkraft vs. Bindungsenergie

Um herauszufinden, ob dies zur Sprengung des armen Zwergplaneten genügen würde, müssen wir die Anzahl der Megatonnen mit Plutos Bindungsenergie verrechnen.Bindungsenergie bezeichnet die notwendige Energie, um die Eigengravitation (oder eben die Bindung) eines Objektes aufzulösen. Plutos Bindungsenergie beträgt 6 x 10^27 Joule, die 58 Megatonnen der Zar-Bombe würden umgerechnet eine Energie von 2.4 x 10^17 Joule ergeben. Rechnen wir das mal aus!

6 x 10^27 ÷  2.4 x 10^17 = 25.000.000.000

Wir bräuchten also tatsächlich 25 Milliarden Zar-Bomben, um Pluto in die Luft zu sprengen! Es sieht so aus, als könnten wir den Plan ad acta legen, denn diese Zahl übersteigt natürlich das gesamte auf der Welt vorhande Waffenarsenal um ein Vielfaches. Außerdem würde sich ein weiteres Problem stellen: Damit die Bomben ihre Wirkung entfalten könnten, müsste die Explosion von innen kommen. Wir müssten also in Pluto hinein bohren und die Bomben (ähnlich wie in dem physikalisch nicht besonders akkuraten Film Armageddon) in seinem Kern platzieren. Dann würden sie ihre Wirkung zeigen und Pluto zerstören – ein Beschuss von außen würde hingegen keinen derartigen Schaden anrichten.

Plutos Bindungsenergie vs. Sprengkraft der Zar-Bombe

Pluto bleibt für uns Menschen also physisch unzerstörbar. Eigentlich ist das auch nur fair – immerhin haben wir durch seine Degradierung zum Zwergplaneten ja bereits seinen Ruf zerstört!

Ihr wollt noch mehr über die potenzielle Zerstörung Plutos erfahren? In diesem Video von Astro-Comics TV erhaltet Ihr weitere Informationen:

 

 

Über Tim Julian Ruster

Tim Ruster ist Astro-Cartoonist und Planetariumsführer.Er wurde 1991 in Köln geboren, wo er auch heute noch lebt und viel Zeit mit dem Zeichnen neuer Astro-Comics verbringt. Seit vielen Jahren arbeitet er ehrenamtlich im Kölner Planetarium und erklärte dort schon unzähligen Besuchern den Sternhimmel und die Geheimnisse des Weltalls. Durch die vielen guten Fragen, die bei diesen Führungen vor allem von Kindern gestellt werden, kam er im Jahre 2015 auf die Idee, den Weltraum durch Zeichnungen zu erklären : Astro-Comics war geboren!Astro-Comics entwickelte sich zu einem richtigen Projekt und wurde schnell bekannter. Obwohl Tim Ruster 2016 sein juristisches Staatsexamen abgelegt hat, widmete er Astro-Comics jede freie Sekunde. Heute haben die astronomischen Cartoons schon tausende Fans bei Facebook, Instagram und Twitter und haben vielen Menschen den Weltraum etwas näher gebracht.Tim Ruster veröffentlicht die Astro-Comics nicht nur auf www.astro-comics.de und in den sozialen Netzwerken, sondern auch in mehreren Online- und Printformaten.

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