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Ist das Universum eine Simulation?

Ist das Universum eine Simulation?
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Geschätzte Lesedauer: 4 minuten

Ist das Universum eine Simulation?

Die Chance, dass wir uns nicht in einer Computersimulation befinden, beträgt eins zu einer Milliarde“ – mit diesem Satz sorgte der Multimilliardär und Technologieunternehmer Elon Musk für erstaunte Gesichter. Unsere ganze Realität, womöglich das gesamte Universum sollen nicht echt sein?

Das detaillierteste Computerspiel aller Zeiten

Es gibt mittlerweile sehr detailreiche Simulationsspiele, in denen man Planeten, Sterne und Galaxien erschaffen kann und sich die Wirkung der Physik bei auch nur minimalen Bahnveränderung oder bei Zusammenstößen mit anderen Himmelskörpern anschauen kann. Sicherlich ist es in einigen dieser Spiele auch möglich, eigene Spezies zu erschaffen, sie auf fremden Planeten anzusiedeln und sie dann einfach friedlich ihr digitales Dasein fristen zu lassen. Natürlich ist dies kein richtiges Dasein, denn immerhin existiert dies alles nur im Spiel! Nicht wie wir – uns gibt es ja in der Realität. Oder? Tatsächlich sprechen einige Argumente dafür, dass unser Universum und unsere Realität lediglich eine Simulation sind – und wir nicht real sind, sondern nur simulierter Code. Es ist möglich, Dinge digital zu simulieren. Jeder, der mal am PC ein mächtiges Reich aufgebaut oder auch nur einen virtuellen Vergnügungspark verwaltet hat, weiß das. Natürlich ist es für menschliche Rechner und Technologie völlig unmöglich, ein Szenario zu simulieren, dass derart kompliziert und massiv wie das Universum ist. Aber nehmen wir einfach mal an, dass es theoretisch möglich ist, eine solche Rechenleistung aufzubringen. Wenn es möglich ist, ein Universum zu simulieren, dann ist es technisch auch möglich Millionen Universen zu simulieren – das ist eine reine Frage der Rechenleistung. Anders gesagt: Wenn ich auf einem Computer das Spiel Pacman installieren kann, dann kann ich es auf nahezu unbegrenzt vielen Rechnern installieren. Behaupten wir also mal, es gibt theoretisch Abermillionen simulierte Universen, aber nur eine Realität. Fast unendlich simulierte Universen auf der einen Seite und ein reales auf der anderen. Wie wahrscheinlich ist es, dass wir genau in dem einen realen Universum existieren? Richtig, es ist mathematisch gesehen de facto auszuschließen. So schnell gerät die dünne Decke der Realität ins wackeln!

Elon Musk – nur ein Teil der großen Simulation?

Vor wenigen Jahren bestanden Computerspiele aus wenigen Pixeln, die einen ebenso pixeligen Ball hin und her schieben. Heute werden in Computerspielen ganze Welten mit fast unendlich Variablen erschaffen. Komplexe Systeme wie Gehirne zu simulieren, ist zwar noch nicht möglich, aber es ist bereits denkbar und vielleicht in greifbarer Nähe. Nach allem was wir wissen, ist das Universum aber schon mehr als 13 Milliarden Jahre alt – und in all dieser Zeit sollen wir die Ersten sein, denen es vielleicht gelingen wird, solche Simulationen zu erschaffen? Ist es nicht viel wahrscheinlicher, dass andere Zivilisationen dies schon längst vollbracht haben und wir nun das Produkt einer solchen Simulation sind? Vielleicht schreiben wir schon das Jahr 4.000 und die fortschrittliche Menschheit macht sich einen Spaß daraus, die Vergangenheit zu simulieren.

Ein weiteres Argument der Simulationstheorie ist das Wesen der Naturgesetze. Wissenschaftler können zwar analysieren, wie sich beispielsweise Gravitation auswirkt und wie sie funktioniert – aber warum verhält sich genau so? Warum beträgt Lichtgeschwindigkeit genau 299.792 Kilometer pro Sekunde? Ein wenig drängt sich wieder der Vergleich zu Computerspielen auf: Auch dort sind die Gesetzmäßigkeiten des Spiels von vornherein festgelegt und lassen sich nicht überwinden.

Die Simulationstheorie wird mittlerweile von anerkannten Wissenschaftlern erforscht

Plötzlich wurde das Universum unscharf

Sind die Naturgesetze also nur die Parameter unserer spezifischen Simulation? Ist der Bildschirm, auf den Sie gerade schauen, gar nicht echt? Sind Sie gar nicht echt, sondern nur simuliert? Könnte sein – aber natürlich sprechen auch einige Argumente gegen die Simulationstheorie. Der deutsche Physiker und Nobelpreisträger Werner Heisenberg hat in seiner berühmten Heisenbergschen Unschärferelation festgestellt, dass die Gesetzmäßigkeiten der klassischen Physik in der Welt der Quantenmechanik nur bedingt gelten und es physikalische Messwerte gibt, die sich nicht exakt feststellen lassen – also „unscharf“ sind. Unexakte Regeln, die sich nicht feststellen lassen? Das klingt nicht gerade nach einer präzise programmierten Simulation!

Werner Heisenberg stellte die Exaktheit der physikalischen Welt in Frage

Darüber hinaus müsste die Rechenleistung für eine derartige Simulation derart immens sein, dass man berechtigte Zweifel daran haben kann, ob dies auch nur theoretisch möglich wäre. Zohar Ringel, der als Physiker an der Hebräischen Universität in Israel tätig ist, hat es so formuliert: „Wenn ein Phänomen von keinem klassischen Computer simuliert werden kann, dann kann es auch keinen geben, der unsere Welt simuliert.“

Also ist doch alles echt und wir können die Risse im Firnis der Realität wieder kitten? Gänzlich sicher können wir uns wohl nie sein, denn: Wenn wir in einer Simulation leben würden, wären auch alle unsere Gedanken darüber, Beweise und Gegenbeweise simuliert – und damit im Prinzip nicht aussagekräftig.

Noch mehr Informationen über die Simulationstheorie und das Wesen unserer Realität gibt es in folgendem Video von Astro-Comics TV:

Über Tim Julian Ruster

Tim Ruster ist Astro-Cartoonist und Planetariumsführer.Er wurde 1991 in Köln geboren, wo er auch heute noch lebt und viel Zeit mit dem Zeichnen neuer Astro-Comics verbringt. Seit vielen Jahren arbeitet er ehrenamtlich im Kölner Planetarium und erklärte dort schon unzähligen Besuchern den Sternhimmel und die Geheimnisse des Weltalls. Durch die vielen guten Fragen, die bei diesen Führungen vor allem von Kindern gestellt werden, kam er im Jahre 2015 auf die Idee, den Weltraum durch Zeichnungen zu erklären : Astro-Comics war geboren!Astro-Comics entwickelte sich zu einem richtigen Projekt und wurde schnell bekannter. Obwohl Tim Ruster 2016 sein juristisches Staatsexamen abgelegt hat, widmete er Astro-Comics jede freie Sekunde. Heute haben die astronomischen Cartoons schon tausende Fans bei Facebook, Instagram und Twitter und haben vielen Menschen den Weltraum etwas näher gebracht.Tim Ruster veröffentlicht die Astro-Comics nicht nur auf www.astro-comics.de und in den sozialen Netzwerken, sondern auch in mehreren Online- und Printformaten.

2 Kommentare

  1. Die nächste Frage wäre dann logischerweise die, nach dem, wer den überhaupt das Ich ist, der diese Simulation hier war nimmt.
    Irgendwo in den Tiefen der Psychologie herrscht die Annahme, das unser Ego und unsere Welt schon in gewisser Weise eine Konstruktion sind.
    Hier landen wir wieder bei den klassischen fragen die alte Religionen und Mystiker versuchen zu beantworten.
    Wer sind wir, wo kommen wir her?
    Klingt langweilig ist’s aber nicht.
    Viel Spaß beim Antwort finden 😉

    • Aus alledem klingt für mich der Wunsch heraus: „Ich will echt sein! Ich will nicht simuliert sein! Ich will aus der Simulation heraus!“ Die Frage: „Wo kommen wir her?“ scheint schon mal in die richtige Richtung zu weisen, denn wenn unsere Realität eine Simulation ist und wir selbst auch Simulationen erschaffen können, wieso sollen dann unsere Schöpfer nicht ebenfalls eine Simulation sein? Und deren Simulatoren auch eine Simulation?
      Eine endlose Kette von Simulationen.
      Da sind wir dann wieder beim Anfang: Ist vielleicht die Summe aller Simulationen die Realität? Gibt es eigentlich eine Realität? Wo kommen wir her?
      Interessante Gedankenspiele, nur sehe ich keinen wirklichen Sinn darin.
      Im Spaß beim Suchen nach der Antwort schon.

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