Home / Blog News / Kann man im Weltraum Gemüse züchten?

Kann man im Weltraum Gemüse züchten?

Teleskop bei Astroshop
Geschätzte Lesedauer: 3 minuten

Ist Salat ein wichtiger Faktor auf unserem Weg zum Mars?

Viele Pflanzen sind erstaunliche Überlebenskünstler und dank ihrer evolutionären Fähigkeiten könnten Salat, Gurken und Co unsere Nahrungsmittelversorung auf längeren Raummissionen decken. Auf der ISS hat man sogar schon ein eigenes Gemüselabor eingerichtet.

Die einzigen bemannten Raumfahrten führten die Menschen bislang zum Mond und zu Raumstationen im Erdorbit. All diese Missionen waren zwar herausragende technische Leistungen, doch so eine richtige Fernreise war noch nicht dabei. In Zukunft planen allerdings sowohl staatliche Weltraumbehörden wie auch private Unternehmen (beispielsweise SpaceX von Elon Musk) bemannte Raumflüge zu unserem roten Nachbarplaneten. Eine Reise zum Mars würde der Besatzung allerdings einiges abverlangen. Man ist sich sogar noch uneinig darüber, wie lange ein solcher interplanetarer Ausflug dauern würde. Während SpaceX von 80 Tagen Reisezeit spricht, gehen Forscher der NASA von bis zu 2 Jahren Reisezeit aus. So oder so müsste die Besatzung also eine Menge Zeit im Raumschiff verbringen – und genügend Nahrung konsumieren können!

Der erste Weltraumsalat

In der ISS forscht man schon länger an der Nahrungsproduktion im Weltraum. Ein eigens zu diesem Zwecke eingerichtetes Pflanzenlabor bietet den Astronauten ein stetiges Angebot an Salat und Gurken. Im Jahre 2015 biss der amerikanische Astronaut Scott Kelly in einem historischen Moment erstmals in ein Blatt Weltraumsalat und verkündete: „Schmeckt gut, ein wenig wie Rucola“.

Astronaut Scott Kelly isst Salat – © Image courtesy of NASA

Auf den ersten Blick erscheint es ein wenig merkwürdig, dass Pflanzen im Weltraum wachsen können. Denn eigentlich folgen sie dem Prinzip des Gravitropismus – sie orientieren sich an der Schwerkraft. Ein im Boden eingegrabener Pflanzensamen muss irgendwie herausfinden, in welche Richtung er keimen und in welche Richtung die Wurzeln wachsen sollen. Im Laufe der Evolution eigneten sich die meisten Pflanzen daher die geniale Fähigkeit an, ihr Wachstum an der Schwerkraft der Erde auszurichten: Blätter von der Schwerkraft weg, Wurzeln zur Schwerkraft hin.

Evolutionsvorteil Phototropismus

In der Schwerelosigkeit des Weltraums ist dieses Talent allerdings völlig nutzlos. Wie handhaben Pflanzen also die ungewohnte Situation? Gar nicht keimen? Kreuz und quer in alle Richtungen wachsen?

Pflanzen sind echte Künstler der Evolution und haben glücklicherweise noch eine weitere außergewöhnliche Fähigkeit: Phototropismus. Dieser ermöglicht es ihnen, sich nicht nur an der Schwerkraft zu orientieren, sondern auch an der Intensität des einfallenden Lichts! Die mangelnde Schwerkraft im Gemüselabor der Internationalen Raumstation kann also durch starke künstliche Beleuchtung ausgeglichen werden. Leckerem Weltraumgemüse steht also nichts im Wege!

Phototropismus

Die Gemüsezucht auf der ISS ist ein gutes Beispiel für die wichtige Arbeit der Raumstation. Hier wird erprobt, was für längere Raumflüge in der Zukunft wichtig sein wird. Und wenn die ersten Astronauten auf dem Weg zum Mars ihren schmackhaften Rohkostsalat verspeisen werden, können sie an den Weltraumgemüsepionier Scott Kelly denken, der erstmals Gemüse außerhalb der Erde erntete. Ein kleiner Salatkopf für einen Menschen, eine große Mahlzeit für die ganze Menschheit!

Für mehr Informationen über Gemüsezucht im Weltraum schaut euch folgendes Video von Astro-Comics TV an:

Über Tim Julian Ruster

Tim Ruster ist Astro-Cartoonist und Planetariumsführer.Er wurde 1991 in Köln geboren, wo er auch heute noch lebt und viel Zeit mit dem Zeichnen neuer Astro-Comics verbringt. Seit vielen Jahren arbeitet er ehrenamtlich im Kölner Planetarium und erklärte dort schon unzähligen Besuchern den Sternhimmel und die Geheimnisse des Weltalls. Durch die vielen guten Fragen, die bei diesen Führungen vor allem von Kindern gestellt werden, kam er im Jahre 2015 auf die Idee, den Weltraum durch Zeichnungen zu erklären : Astro-Comics war geboren!Astro-Comics entwickelte sich zu einem richtigen Projekt und wurde schnell bekannter. Obwohl Tim Ruster 2016 sein juristisches Staatsexamen abgelegt hat, widmete er Astro-Comics jede freie Sekunde. Heute haben die astronomischen Cartoons schon tausende Fans bei Facebook, Instagram und Twitter und haben vielen Menschen den Weltraum etwas näher gebracht.Tim Ruster veröffentlicht die Astro-Comics nicht nur auf www.astro-comics.de und in den sozialen Netzwerken, sondern auch in mehreren Online- und Printformaten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.